„Banken sind besonders innovationsfreundlich, denn die IT ist das wichtigste Merkmal in der Wertschöpfungskette eines Finanzdienstleisters.“

„Jeder technologische Experte soll über branchentypisches Know-how verfügen und jeder Finanzexperte über technologisches Know-how.“
Herr Diener, Sie sind von Hause aus Informatiker – was hat Sie zur Beratung geführt?
Ja, ich bin seit ca. 4 Jahren schon als Berater tätig, speziell bei Kapitalanlagegesellschaften. Der Grund, in die Beratung zu gehen, war einfach der, dass außer der etwas „einseitigen“ technischen Expertise der ganze Mensch gefragt ist. Das Gespräch mit dem Kunden, die Konzeption von Lösungen, das Darstellen des Optimierungspotenzials – das erfordert Fähigkeiten, die man als Mensch ganz unmittelbar mit einbringen kann.
Sie selbst sind somit der ideale Berater, da Sie sowohl über technologisches als auch fachliches Wissen verfügen – wie werden neue Kollegen mit diesem extrem breiten Spektrum vertraut gemacht?
Der Einstieg findet immer zweigleisig statt – auch für Mitarbeiter mit geringen Vorkenntnissen. Einerseits bietet COINOR allen Mitarbeitern spezielle Weiterbildungsangebote an, z. B. über den Branchenverband BVI. Andererseits wird das technologische bzw. branchenspezifische Wissen, z. B. die Grundlagen der Kapitalanlagegesellschaft, auch durch den jeweiligen Projektleiter „on the job“ vermittelt und vertieft. So stellen wir sicher, dass gerade neue Kollegen intern wie extern optimal unterstützt werden und ihre Kompetenz kontinuierlich ausbauen. Und zwar so fundiert, wie COINOR das in seinen Unternehmensgrundsätzen festgelegt hat: Jeder technologische Experte soll über branchentypisches Know-how verfügen und jeder Finanzexperte über technologisches Know-how. Parallel dazu erarbeitet sich jeder zusätzlich noch methodische Kompetenzen.
Hier setzen Sie doch auch SCRUM ein – wie sind Ihre Erfahrungen damit?
Meine Erfahrungen mit SCRUM sind durchweg gut. Beim Einsatz dieser agilen Vorgehensweise kann man sehr schnell den Vorteil einer so flexiblen Methode sehen. SCRUM liefert dem Kunden vor allem ein großes Maß an Transparenz. Er kann zum Beispiel sehr gut sehen, ob wir als Berater seine Anforderungen richtig verstanden haben. SCRUM trägt aber auch sehr viel zum Austausch innerhalb des Projektteams bei. Das haben wir in den ersten SCRUM-Projekten deutlich festgestellt – auch am Ergebnis!
Allerdings muss man auch sagen: SCRUM ist keine Wundertüte. Es erfordert doch noch einen anspruchsvollen Change-Prozess, bis man dieses Vorgehensmodell auch in einem klassisch geprägten Umfeld gut einsetzen kann.
Festpreisprojekte mit SCRUM durchzuführen, kann beispielsweise funktionieren, erfordert aber eine geschickte Verzahnung der beiden Welten.
SCRUM ist momentan sehr trendy – wird SCRUM denn bleiben?
SCRUM entwickelt sich derzeit von einem Hype zu einer Methodik, die in der Breite eingesetzt wird – wie der Einsatz bei großen Software-Herstellern, Konzernen und Beratungsgesellschaften zeigt.

„SCRUM liefert dem Kunden vor allem ein großes Maß an Transparenz.“

“Allerdings muss man auch sagen: SCRUM ist keine Wundertüte.“
Also kann man mittelfristig keine Prognose stellen, ob SCRUM bleibt oder wieder verschwindet?
Naja, SCRUM ist im Endeffekt eine Sammlung von Best Practices, die wir auch in Zukunft einsetzen werden. Ob das Kind dann noch den Namen SCRUM tragen wird, weiß ich nicht.
Eine letzte Frage: Wie stehen die vermeintlich konservativen Banken zu solchen neuen Vorgehensmodellen?
Die Frage ist zunächst, worauf Sie „konservativ“ beziehen. In Bezug auf die technische und methodische Innovationsbereitschaft gilt eher das Gegenteil: Banken sind besonders innovationsfreundlich, denn die IT ist das wichtigste Merkmal in der Wertschöpfungskette eines Finanzdienstleisters. Es mag sein, dass die Finanzbranche vielleicht von außen betrachtet ein konservatives Image hat – aber wenn man mal den IT-Bereich unter die Lupe nimmt, sieht man, dass Banken sehr offen sind für innovative Technologien und für IT-Konzepte auch ein erhebliches Budget bereitstellen.
Herr Diener, herzlichen Dank für Ihre Einschätzungen – wir wünschen Ihnen viel Erfolg für die Zukunft!